
Was ist ein Wildzaun? Grundlagen, Funktionen und Einsatzbereiche
07.01.2025
Ein Wildzaun ist mehr als nur ein simpler Drahtzaun, er ist eine funktionale Schutzmaßnahme für Landwirte, Waldbesitzer, Gartenfreunde und Naturschützer gleichermaßen. Er dient oft dazu, Wildtiere wie Rehe, Wildschweine, Füchse oder auch Wölfe daran zu hindern, in bestimmte Gebiete einzudringen oder diese zu verlassen. Ob im Wald, auf der Weide oder rund um private Grundstücke, ein Wildschutzzaun kann zuverlässig vor ungewünschtem Wildwechsel schützen. Zunehmend kommt ein Wildzaun aber auch im privaten Bereich zum Einsatz, etwa zum Einzäunen von Gärten oder Höfen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was ein Wildzaun ist, welche Arten von Wildzäunen es gibt, für welche Tierarten er geeignet ist, wie Sie Ihren Zaun planen und aufbauen, inklusive Empfehlungen für Materialien, Höhen und Zubehör.
Inhaltsverzeichnis
- Was versteht man unter einem Wildzaun?
- Wann ist ein Wildzaun sinnvoll?
- Welche Wildzaunarten gibt es?
- Die richtige Zaunhöhe für Wildzäune
- Passende Pfosten und Zubehör für Wildzäune
- Planungsschritte und Montage für Wildzäune
- Wildzaun-Komplettsets und Zubehör
- Gesetzliche Rahmenbedingungen für Wildzäune
- Empfohlene Kategorien
Was versteht man unter einem Wildzaun?
Ein Wildzaun ist ein speziell konzipierter Drahtzaun, der in erster Linie dazu dient, Wildtiere entweder von bestimmten Bereichen fernzuhalten oder gezielt einzugrenzen. Er schützt vor Verbiss, Trittschäden und hilft dabei, Verkehrswege und Kulturlandschaften sicherer zu gestalten.
Derartige Zäune kommen häufig in der Land- und Forstwirtschaft, sowie im Naturschutz zum Einsatz. Sie bieten effektiven Schutz vor Wildschäden, dergestalt, dass sie verhindern, dass Tiere wie Rehe, Hirsche oder Wildschweine in landwirtschaftliche Kulturen eindringen, junge Bäume in Aufforstungen schädigen oder auf Verkehrswege geraten. Zunehmend werden durch diese Zäune auch Wölfe von Tierbeständen ferngehalten.
Darüber hinaus finden Wildzäune Anwendungen in Wildparks, Wildgehegen oder Wildgattern, um Tiere sicher einzuzäunen und ihnen dennoch ausreichend Lebensraum zu bieten.
Auch für private Grundstücke oder landwirtschaftlich genutzte Flächen kann ein Wildzaun eine sinnvolle Lösung sein, etwa um Hausgärten oder Weiden vor ungewolltem Wildbesuch zu schützen.
Wichtig ist, dass die Ausführung des Zauns zur Tierart, dem Gelände und zur Nutzungsdauer passt.
Wann ist ein Wildzaun sinnvoll?
Ein Wildzaun lohnt sich überall dort, wo Wildtiere Schäden anrichten können oder gezielt abgehalten werden sollen:
- Bei Aufforstungen zum Schutz junger Bäume
- Auf landwirtschaftlichen Flächen zur Sicherung von Mais, Getreide und Co.
- Entlang von Straßen und Verkehrswegen zur Wildunfallprävention
- In Wildgehegen oder Tierparks zur Einzäunung von Wildtierbeständen
- Im Hausgarten zur Abwehr von Rehen oder Wildschweinen
- In Wolfsschutzgebieten zum Schutz von Weidetieren
Ein Wildzaun kann aber auch im privaten Umfeld zur Einfriedung von Haustieren genutzt werden und stellt hier eine sinnvolle Alternative zu klassischen Festzaunarten wie Maschendraht- oder Doppelstabmattenzäunen dar. Durch seine dezente Optik fügt sich der Zaun gut in natürliche Umgebungen ein und stellt eine sinnvolle Alternative anderen Zäunen oder Mauern dar. Bei dieser Nutzungsart ist es entscheidend, auf die Maschengrößen des Knotengeflechtzaunes zu achten, damit sich die Haustiere nicht hindurchzwängen können. Wenngleich dies in den meisten Fällen gut funktioniert, besteht dennoch die Gefahr, dass sie sich in den Maschen verfangen. Im schlimmsten Fall kann das zu ernsthaften Verletzungen oder sogar zum Verenden führen.
Welche Wildzaunarten gibt es?
Die gängigste Form ist der Knotengeflechtzaun, auch bekannt als Knotengitter oder Wildzaun-Knotengitter. Diese Zäune bestehen aus vertikalen und horizontalen Drähten, die an Kreuzungspunkten durch spezielle Knoten fest miteinander verbunden sind.
Vielfältige Ausführungen für unterschiedliche Anforderungen:
Knotengeflechtzäune sind in zahlreichen Varianten erhältlich, insbesondere in Bezug auf Zaunhöhen, Maschengrößen und Drahtstärken. Diese Parameter ermöglichen eine präzise Anpassung an das jeweilige Einsatzgebiet und die zu erwartenden Wildarten.
Besonders bei gleicher Zaunhöhe spielen die Unterschiede in den Maschengrößen eine entscheidende Rolle.
- Engmaschiger Bereich unten: Schutz vor kleinen Tieren wie Hasen oder Füchsen
- Großmaschiger Bereich oben: Spart Material bei gleichbleibender Funktion
Ein weiteres zentrales Kriterium für die Auswahl eines geeigneten Wildzauns ist die Stärke der verwendeten Drähte. Je dicker der Draht, desto robuster und widerstandsfähiger ist der Zaun gegenüber äußeren Einflüssen wie starkem Wind oder dem Aufprall von Wildtieren, insbesondere bei kräftigen Arten wie Wildschweinen. Für langfristige Einzäunungen oder Wildgatter haben sich Drahtstärken ab 1,8 mm als besonders standfest und langlebig erwiesen.
Zusätzliche Schutzmaßnahmen bei besonderen Anforderungen:
In Gebieten mit erhöhter Gefährdung, etwa in Regionen mit Wolfsvorkommen, müssen Wildzäune weitergehende Schutzfunktionen erfüllen. Wölfe sind nicht nur sprungstark -sie können Höhen von 1,2m überwinden- sondern auch geschickt im Graben. Entsprechend sind in solchen Fällen höhere Zäune mit einer Mindesthöhe von über 1,20m erforderlich. Zusätzlich empfiehlt sich ein Untergrabeschutz, z. B. durch eingegrabene Drahtgeflechte, die verhindern, dass Wölfe sich unter dem Zaun hindurcharbeiten. In der Praxis werden solche Zäune häufig mit elektrifizierten Leitermaterialien und einem ausreichend starken Weidezaungerät kombiniert, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen und die Sicherheit der Einzäunung nochmals zu erhöhen.
Die richtige Zaunhöhe für Wildzäune
Die optimale Höhe hängt von der auszuzäunenden Tierart ab. Ein Untergrabeschutz kann durch eingegrabene Drahtgeflechte, Rasenkanten oder L-Winkel hergestellt werden.
Tipp:
- Auf Untergrabeschutz nicht verzichten, wenn Wildschweine oder Wölfe ein Thema sind.
- lieber robuster und etwas höher planen, als später nachzurüsten.
Passende Pfosten und Zubehör für Wildzäune
Die Wahl der richtigen Zaunpfosten ist entscheidend für die Stabilität und Langlebigkeit Ihres Zauns.
Drei Typen an Festzaunpfosten für Knotengeflechtzäune haben sich bewährt:
- Holzpfosten
Natürlich, kostengünstig, ideal im Forst, Einbringtiefe in die Erde: ca. ein Drittel ihrer Gesamtlänge - T-Profilpfosten: Robust, besonders bei hartem oder steinigem Boden, Einbringtiefe in die Erde: ca. 40cm
- Z-Profilpfosten: Schnelle Montage dank vorgestanzter Halteösen in 10cm Abstand, Einbringtiefe in die Erde: ca. 50cm
Typ
Vorteile
Einbringtiefe
Montagearten je nach Pfosten:
- an Holzpfosten erfolgt die Befestigung mit Klammern oder Krampen
- an T-Pfosten erfolgt die Fixierung mit speziellen Befestigungsclips oder Bindedraht
- an Z-Pfosten wird der Wildzaun durch Einhängen und Umklappen der Halteösen fixiert
Tipp:
- Der Pfostenabstand sollte je nach Geländeform, Zaunhöhe und Windbelastung zwischen 2,5m und 4m betragen.
- Anfangs-, End- und Eckpfosten sollten verstrebt werden, damit eine Stabilisierung erreicht werden kann. Auch auf langen Geraden sollte mindestens alle 50-75m Verstrebungen eingeplant werden.
Planungsschritte und Montage für Wildzäune
Eine durchdachte Planung spart Zeit, Geld und Frust:
- Geländeanalyse: Hanglage, Bodenbeschaffenheit, Wildwechsel-Routen
- Pfostenwahl und Zubehörplanung: Holz oder Metall? Untergrabeschutz? Bodenanker?
- Werkzeuge bereithalten: Handramme, Spannzange
- Pfosten setzen: Einbringtiefe je nach Pfostentyp 40cm, 50m oder ein Drittel der Pfostenlänge. Anfangs-, End- und Eckpfosten verstreben, sowie Streckenpfosten auf geraden Strecken im Abstand von ca. 50-75m
- Zaun befestigen und spannen: Knotengeflecht mit Clips, Klammern oder Halteösen fixieren und spannen
Tipp: Regelmäßige Kontrolle und Nachspannen erhöhen die Lebensdauer erheblich.
Wildzaun-Komplettsets und Zubehör
Einfach, zeitsparend und optimal abgestimmt: Wildzaun-Komplettsets enthalten je nach Ausführung Zubehör, was Sie für den Zaunbau benötigen. Ideal für Einsteiger oder Projekte mit klarem Umfang.
Typische Inhalte eines Knotengeflecht-Komplettsets
- Knotengeflecht in passender Höhe & Ausführung
- Festpfosten
- Spanndraht, Drahtspanner oder Clips/ Klammern
- Anfangs-/End- und Eck-Verstrebungen
Ergänzende Komponenten:
- Bodenanker bei lockerem oder abschüssigem Boden
- Abstandsisolatoren
- Elektrifizierbares Leitermaterial
- Weidezaungeräte samt Zubehör
Gesetzliche Rahmenbedingungen für Wildzäune
Der Bau eines Wildschutzzauns –beispielsweise als Knotengeflechtzaun– unterliegt in Deutschland rechtlichen Regelungen, die sich sowohl aus dem Baurecht als auch aus dem Naturschutz- und Jagdrecht ergeben. Insbesondere dann, wenn der Zaun als permanente Anlage gilt (also Festzaun), ist eine Genehmigungspflicht nicht ausgeschlossen.
Die Genehmigungspflicht zur Errichtung eines Knotengeflecht- oder Wildzauns hängt von den spezifischen Vorgaben des Landesbauordnungsrechtes Ihres Bundeslandes und den örtlichen Bauvorschriften ab.
Einfache Zäune bis zu einer bestimmten Höhe sind in vielen Regionen nicht genehmigungspflichtig, während höhere oder grenznahe Konstruktionen eine Baugenehmigung erfordern können, insbesondere da es sich bei Wildzäunen um Festzaunanlagen handelt.
Zudem können Regelungen zum Natur-, Landschaftsschutz oder in FFH-Gebieten eine Rolle spielen („FFH“ steht für „Fauna-Flora-Habitat“ und bezeichnet europäische Schutzgebiete, die innerhalb der europäischen Union zum Schutz gefährdeter Arten dienen). Ein Wildzaun kann als Eingriff in Natur und Landschaft gewertet werden.
Um auf der sicheren Seite zu sein, empfehlen wir Ihnen, sich vorab bei Ihrer zuständigen Bau- oder Naturschutzbehörde zu informieren. Auch die Jagd- oder Forstbetriebe und gegebenenfalls das Landwirtschaftsamt (insbesondere auch bei förderungsfähigen Zäunen) könnten weiterhelfen.









