Fischotter

Allgemeines

Der Fischotter gehört zur Ordnung der Raubtiere und zur Familie der Marder. Nicht selten wird der Fischotter auch mit dem Steinmarder oder dem Mink verwechselt, diese Tiere gehören wie der Dachs ebenfalls der Familie der Marder an. Mit seinen 7-12kg Gewicht und einer Körperlänge von 130cm, wobei 40cm auf den Schwanz entfallen, ist der Fischotter nach dem Dachs der schwerste einheimische Marder. Sein stromlinienförmiger Körperbau ist perfekt an das Leben im Wasser angepasst. Auch die Schwimmhäute zwischen den 5 Zehen an allen 4 Pfoten helfen ihm hervorragend beim Schwimmen und Tauchen. So können die Tiere bis zu 18m tief und 8 Minuten lang tauchen und dabei bis zu 300m Strecke zurücklegen. Ohren und Nase werden beim Tauchvorgang verschlossen. Der längliche Kopf ist sehr flach und die kleinen Augen und Ohren, sowie die stumpfe Nase linienartig angeordnet, sodass er seinen Kopf nur wenig aus dem Wasser strecken muss, um alle Sinne einsetzen zu können und die Umgebung zu beobachten. Neben den Augen sind die wichtigsten Sinnesorgane des Fischotters seine langen Barthaare (Vibrissen). Diese ermöglichen es ihm selbst im trüben Wasser Bewegungen von Fischen sowie Hindernisse wahrzunehmen. Auch das Fell des Fischotters ist perfekt an seine Umgebung angepasst, da der Otter sich nicht durch eine dicke Speckschicht vor der Kälte und Nässe im Wasser schützen kann, dient ihm sein Fell als wahres Isolationswunder. Ca. 50000 Haare befinden sich auf einen Quadratzentimeter Haut und greifen wie kleine Keile ineinander. Auf diese Weise verbleibt eine isolierende Luftschicht im Pelz und hält den Otter warm und trocken. Die Farbe seines Pelzes ist meist einheitlich braun und mit einem grau-weißlichen Kehlfleck versehen, der von den Wangen über den Hals bis zur Brust reicht. Trotz ihrer kurzen Beine sind die Fischotter gute Kletterer und können bis zu 1m hoch und 1,5m weit springen. Auf diese Weise lassen sich auch Bäume erklimmen oder Zäune überwinden.

Verbreitung

Mit großer Erleichterung werden in den letzten Jahren zunehmend wieder Populationen von Fischottern beobachtet. Besonders Ende des 19. Jahrhunderts stand es sehr schlecht um den kleinen Fischliebhaber. Zu dieser Zeit begann in Europa die organisierte Verfolgung und Bejagung des Otters. Gründe hierfür waren der begehrte Pelz und das hochwertige Fleisch, welches als Fastenspeise gestattet war und als Delikatesse galt. Zudem hatte der Fischotter auch damals schon einen Ruf als schädlicher Fischräuber. Die Industrialisierung und damit die zunehmende Zerstörung seines Lebensraumes durch Flussbegradigungen, Trockenlegungen von Feuchtgebieten und Beseitigungen von Ufergehölzen sorgten dafür, dass der Fischotter Ende des 20. Jahrhundert nahezu ausgerottet war. Nur durch geeignete Schutzmaßnahmen und Lebensraumverbesserungen war es möglich, dem Fischotter wieder Bedingungen zu bieten, dass er ausreichend Nahrung findet, Unterschlupfmöglichkeiten hat und sich vermehren kann.

Mittlerweile ist er wieder über große Teile Europas verbreitet, mit Ausnahme Islands und der Mittelmeer-Inseln. Gerade in Tschechien, im Osten Deutschlands und Gebieten Österreichs nehmen die Fischotterstände merklich zu. Leider sind die Otter aber auch immer noch in vielen Gegenden innerhalb des Verbreitungsgebietes sehr bedroht. So sind weite Gebiete im Westen Deutschlands und die Schweiz bis heute otterfrei.

Lebensraum

Als semiaquatisches Tier benötigt der Fischotter sowohl Wasser als auch Land zum Leben. Bevorzugte Lebensräume sind deswegen Gebiete mit Teichen, Seen, Flüssen, aber auch Moore und sogar Meeresküsten. Voraussetzung für die Besiedlung sind ausreichend saubere und fischreiche Gewässer, um sich mit Nahrung zu versorgen, sowie vielfältige Unterschlupfmöglichkeiten, die zum Ausruhen und zur Aufzucht der Jungen dienen.

Lebensweise

Fischotter sind Einzelgänger. In ihrem Revier dulden die Männchen (Rüden) keine gleichgeschlechtlichen Artgenossen. Die Gebiete von Weibchen (Fähen) und Rüden überschneiden sich. Die sehr scheuen Tiere sind überwiegend nacht- und dämmerungsaktiv. Tagsüber ruhen sie sich in immer wieder wechselnden Verstecken aus. Im Allgemeinen begeben sich die kleinen Raubtiere erst nach Sonnenuntergang zum Fischfang und benutzen dabei immer den gleichen Ein-und Ausstieg. Als Verstecke verwenden die Fischotter natürliche Höhlen wie Uferunterspülungen, Wurzelbereiche oder verlassene Fuchs- oder Kaninchenbaue in unmittelbarer Ufernähe.

Die Reviere der Fischotter befinden sich entlang der Gewässer und insbesondere die Rüdenreviere können bis zu 30km lang sein. Die durchschnittlichen Ausdehnungen der Reviere betragen 5-20km. In einer Nacht können die Tiere auf der Suche nach Nahrung Strecken bis zu 20km zurücklegen. Hierbei markiert der Fischotter immer wieder markante Stellen seines Reviers mithilfe von Drüsensekreten und Kotspuren. Auf diese Weise informiert er seine Artgenossen zum Beispiel über Reviergrenzen und Paarungsbereitschaft.Die Fischotter sind im Allgemeinen sehr ruhige Tiere.Nur in bestimmten Situationen wie der Paarung, bei Bedrohung oder im Spiel der Jungen geben sie Pfeif - , Schrei-, Quiek- oder Knurrgeräusche von sich.

Nahrung

Als Nahrung dienen dem Fischotter, wie sein Name schon verrät, überwiegend Fische. Insgesamt gilt jedoch die Devise, dass der Fischotter die Nahrung bevorzugt, die er mit dem wenigsten Aufwand erbeuten kann. Dies erklärt, warum manche Otter besonders künstlich angelegte Fischteiche bevorzugen, in denen es von leicht zu erlegender Beute nur so wimmelt! Neben Fischen stehen aber auch Krebse, Amphibien, Wasserinsekten, kleine Säugetiere oder Vögel mit auf dem Speiseplan. Pro Tag verzehrt ein Fischotter ca. 1kg tierische Nahrung, dabei variiert die Zusammensetzung je nach Angebot, Region und Jahreszeit.

Fortpflanzung

Bei den Fischottern gibt es keine feste Paarungszeit, sodass das ganze Jahr über Fähen mit Jungtieren anzutreffen sind. Die jungen Fischotter sind mit ca. 2 Jahren geschlechtsreif. Mithilfe verschiedener Lockrufe und Pfeiftöne finden Männchen und Weibchen zueinander, streifen gemeinsam umher und paaren sich schließlich im Wasser. Nach ca. 63 Tagen ist es dann soweit und die Fähe bringt 2-3 blinde, aber schon behaarte Jungtiere zur Welt. Die kleinen Welpen wiegen ca. 100g und öffnen erst mit 3-4 Wochen ihre Augen. Obwohl die Welpen meist schon mit 6 Wochen die erste feste Nahrung zu sich nehmen, säugt die Fähe sie oftmals noch bis zur 14. Woche. Im Alter von 2 Monaten verlassen sie mit ihrer Mutter zum ersten Mal die Wurfhöhle, um ihre Umgebung zu erkunden und die ersten Schwimm-und Tauchversuche zu unternehmen. In den folgenden Monaten hat die Fähe viel zu tun, um den Kleinen die richtigen Beutetechniken und Überlebensstrategien beizubringen. Manchmal findet man viele nur wenig angefressene Fische neben den Fischteich liegend. Ein solches Vorkommen kann durchaus auf ein Beutetraining von einer Fischottermutter mit ihren Jungen hindeuten. Allerdings kann man aus Fischresten schwer auf den genauen Fressfeind schließen. Mit ca. 14 Monaten haben die Jungtiere alle Fähigkeiten erlernt, die sie für ein selbstständiges Leben brauchen und verlassen das Revier der Mutter, um sich ein eigenes Gebiet zu suchen. Ihre Lebenserwartung liegt bei 8-13 Jahren. Leider verlieren viele Tiere auch schon vorher ihr Leben. Meist fallen sie dem Straßenverkehr zum Opfer. Aber auch in Reusen können sie ertrinken. Aus diesem Grund wird den Fischern empfohlen, Ihre Reusen mit Schutzgittern auszustatten. Leider ist die Verwendung von den Reusengittern in Deutschland aber noch nicht im Naturschutzgesetz vorgeschrieben.

Welche Gesetze schützen den Fischotter?

Internationale Übereinkommen, EU-Vorschriften, sowie Bundes-und Landesgesetze haben dazu geführt, dass der Fischotter heutzutage durch eine Vielzahl von Rechtsvorschriften geschützt wird. Besonders das Naturschutz- und das Jagdrecht sind für den Fischotter von großer Bedeutung. Danach gehört der Fischotter immer noch zu dem jagdbaren Haarwild. Allerdings herrscht seit 1968 ganzjährige Schonzeit, sodass der Fischotter nicht mehr erlegt werden darf. Zu beachten ist jedoch, dass tote Tiere nur von den örtlichen Jagdausübungsberechtigten aufgenommen werden dürfen. Sollten Sie also z.B. einen überfahrenen Fischotter vorfinden, melden Sie diesen bitte beim zuständigen Jagdausübungsberechtigten oder informieren Sie im Zweifelsfall die Polizei. In der Regel werden die toten Tiere dann wissenschaftlichen Untersuchungen zur Verfügung gestellt. Nach dem Naturschutzrecht zählt der Fischotter zu den "besonders geschützten" und den "streng geschützten" Tierarten. Diese dürfen weder verfolgt, noch gestört und nur unter ganz besonderen Umständen gehandelt werden. Im Naturschutzgesetz ist zudem das Ziel verankert, den Fortbestand oder ggf. die Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes von Otter-Lebensräumen zu gewährleisten. Auch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie hat sich zum Ziel gesetzt, bedrohten Arten, deren Lebensräume und die europaweite Vernetzung dieser Lebensräume zu sichern und zu schützen.

Woran erkenne ich einen Fischotter?

Da es sehr schwierig ist, die sehr scheuen Tiere bei Tag zu Gesicht zu bekommen, ist ihr Vorkommen meist nur anhand von Pfotenabdrücken (Trittsiegel) und Kotspuren (Losung) zu erkennen. Charakteristisch für die Trittsiegel eines Otters sind die 5 gespreizten Zehen, wenn man etwas genauer hinsieht, lassen sich häufig auch die dazwischen vorkommenden Schwimmhäute erkennen. Die Trittsiegel der Hinterpfoten sind insgesamt etwas länglicher als die der Vorderpfoten. Im Schnee oder auf trockenen Sand lässt sich manchmal auch die Schleifspur des Schwanzes erkennen. Die Schwimmhäute drücken sich in der Regel nicht ab. Die Losung setzt der Fischotter gerne an erhöhten Plätzen wie Baumstümpfen oder großen Steinen, auf Sandplätzen und an seinen Ein- und Ausstiegen ab. Oft ist die Losung mit alten Fraßresten wie Krebsschalen, Fischgräten oder Schuppen versetzt und weist einen spezifischen Geruch auf. Frisch abgesetzte Losungen sind schleimig, weich und je nach Nahrung dunkelbraun, grünlich oder schwarz. Alte Losungen verblassen schnell und sind trocken und porös. Auch angefressene Fische können auf die Anwesenheit eines Fischotters hindeuten, müssen es aber nicht.